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ULTRA RUNNING I 06.09.2018 I Nina Koch - DYNAFIT Athletin

Ultra Running Himalaya: 9 Tage Schmerzen beim Manaslu Trail Race

7 Etappen, 148 Kilometer und 8.700 Höhenmeter – das ist das Manaslu Trail Race, das mich und weitere 52 Teilnehmer um den achthöchsten Berg der Erde führte. Vor dem Rennen hab ich mir wenig Sorgen über die Distanz gemacht, da diese im Vergleich zum Transalpine Run eher überschaubar schien, allerdings hat mir die Höhe bereits im Vorfeld Kopfschmerzen bereitet. Zurecht, wie sich später herausstellen sollte…

Los ging das Rennen am 11. November 2017. Vor dem Start hatten wir allerdings noch zwei Tage Zeit in Kathmandu - für Sightseeing, Besorgungen in Thamel und natürlich, um die anderen Teilnehmer kennenzulernen. Uns ging es allen gleich, jeder wollte raus aus der staubigen, überfüllten und hektischen Stadt und endlich in die Berge des Himalayas.


Bereits im Vorfeld war klar: „das wird kein Wellness-Urlaub". Um die Mulis, die das Gepäck für uns jeden Tag zum Zielort brachten, nicht zu überlasten, waren nur 10kg Gepäck pro Person erlaubt. Zusätzlich hatten wir natürlich noch das persönliche Laufgepäck. Und wer schon mal in Nepal war, kennt den Komfort der Teehäuser - keine Duschen oder warmes Wasser, unbeheizte Schlafräume, Stehtoiletten und sobald die Sonne weg ist, spürt man wirklich die Eiseskälte. Alles in allem ein richtiges Abenteuer! Und genau das hat mich daran gereizt: Raus aus der Komfortzone!

Das Rennen

1. Etappe: 23km I 1.900hm+ 1.600hm-


Ich hatte einen super Start! Die Strecke war zunächst sehr steil und schlängelte sich anschließend langsam in die Berge, bis es am Ende an einem Fluss entlang ins Ziel ging. Ich kam als 2. Europäerin hinter einer unschlagbaren Ragna Debats an. Die Nudelsuppe  im Ziel sollte für eine Weile dann aber leider meine letzte Mahlzeit sein. Keine drei Stunden später hatte es mich bzw. mein Verdauungssystem dann schon völlig zerlegt. Also, Antibiotikum nehmen und positiv denken, dass nach etwas Schlaf alles wieder gut sein würde.

 

 

2. Etappe: 33km I 1.750hm+ 785hm-


Nichts war gut! Ich habe mich dann dazu entschieden, jeden Baum auf der Stecke aufzusuchen und die 33km nochmal neu zu markieren. Das waren die längsten Kilometer meines Lebens - mit Magenkrämpfen habe ich mich ins Ziel gequält. Leider kann ich nicht viel zur Strecke sagen, da mein Fokus primär auf Büschen und Bäumen lag. Positiv denken! Was dich nicht umbringt, macht dich stark! Morgen wird’s ganz sicher besser!

 

 

3. Etappe: 26km I 1.950hm+ 710hm-


Nun ja, die Magenschmerzen waren weg, doch sind sie nur den darauf folgenden  Gliederschmerzen gewichen. Vom Renngedanken hatte ich mich schon am Vortag völlig verabschiedet. Aber auch das kann man positiv sehen. Im Rennmodus hat man ja immer Scheuklappen an. Jetzt hatte ich wenigstens Zeit die wundervolle Landschaft zu bestaunen und einfach zu genießen, zumindest sobald es mir besser gehen würde.

4. Etappe: 23km I 1.350hm+ 970hm-


Nach einer Nacht im Kloster auf 3.000m ging es auch endlich besser! Mit wesentlich weniger Kampfgewicht als noch an Tag 1 konnte ich endlich wieder laufen und das völlig ohne Druck, zu holen gab es sowieso nichts mehr. Die Strecke ging im Schneegestöber bis auf über 4.000 Meter und von da zu unserem Stützpunkt auf ca. 3.500m für die nächsten zwei (schlaflosen) Nächte. Ich war einfach nur glücklich, dass ich mich endlich wieder gesund fühlte!

5. Etappe: 12km I 1.100hm+ 1.100hm- (Vertikal ins Manaslu Basecamp)


Auf diese Etappe hatte ich mich am meisten gefreut! Mit Blick auf den Manaslu ging es 1.100 Höhenmeter hinauf bis auf ca. 4.700m kurz vor´s Basecamp. Hier war ein Checkpoint mit Zeitstopp. Zwei Stunden saß ich einfach in der Sonne und habe den Berg angeschaut, der schon zum Greifen nah schien. Es war einfach perfekt, die Stille und die Natur hier oben zu genießen.

 


6. Etappe: 8km I 370hm+ 140hm-
Nach einer weiteren Nacht mit wenig Erholung, dank Schnarchern und Höhe, ging es dann sehr entspannt und „ratschend“ mit vielen Fotostopps zu unserem nächsten Stützpunkt auf ca. 3.900m. Das mit der Entschleunigung war in meinem Kopf angekommen. Außerdem wäre es mental absolut nicht möglich gewesen, nach den zwei qualvollen Tagen meinen Körper in irgendeiner Weise zu pushen. Die Luft war einfach raus und der Kampfgeist verschwunden. Manche Dinge kann man nicht erzwingen und dann hilft es nur die Perspektive zu wechseln.

 


Pausentag: 18km I 1.000hm+ 1.000hm-


Der Tag war zur Akklimatisierung für die nächsten beiden schweren Tage. Meine Hände und Füße hatten inzwischen Wasser eingelagert, jeder Schritt war anstrengend. Auf etwa 4.800m entschied ich mich dann zurückzugehen zu unserer Unterkunft, da der Tag sonst zu lang werden würde und ich mich einfach zu schwach fühlte. Vor dem Tag mit dem höchsten Punkt des Rennens, war es mir wichtiger mit meinen verbliebenen Ressourcen etwas hauszuhalten.

Passüberquerung: 22km I 1.450hm+ 1.600hm-


Mit Stirnlampen ging es los. Da es bis auf 5.106m über den Larke Pass ging, wurde bewusst kein Renntag angesetzt. Noch war es eiskalt, ich hatte wirklich alles an was ich dabei hatte, gezwiebelt von Primaloft bis Daune. Die Stille und das Gehen nur mit dem Schein der Stirnlampe hatte etwas sehr meditatives für mich. Wahrscheinlich war es einer der schönsten Sonnenaufgänge, die ich jemals erleben durfte. Langsam wurden die gigantischen Berge vom warmen Sonnenlicht angestrahlt. Es war einfach ein unglaublicher Tag und nach knapp neun Stunden mit vielen Foto-, Tee- und Schokoladen-Stopps kamen wir in unserer letzten Unterkunft vor dem Ziel auf ca. 3.700m an. Ich war immer noch sehr schwach aber einfach dankbar, das erleben zu dürfen.

 


7. Etappe 22km 280hm+ 2.040hm-


Ein Downhill-Tag! Eigentlich meine Stärke, aber ich hatte das Gefühl gegen eine Wand zu laufen. Die Hoffnung, dass es nach 1.000 Metern bergab besser wird, wurde leider nicht erfüllt. Ich wollte einfach nur noch im Ziel ankommen und war frustriert, dass die für mich vermeintlich leichteste Etappe so eine Challenge war.

 

 


Meine Gefühle im Ziel waren sehr gemischt. Auf der einen Seite war es natürlich die Freude es trotz allem durchgezogen zu haben. Auf der anderen Seite hatte es irgendwie den faden Beigeschmack, dass ich nicht die erhoffte Leistung abrufen konnte und aus einem Rennen eine Wanderung um den Manaslu wurde. Es ist für mich ein Leichtes gegen schmerzende Muskeln und müde Beine zu kämpfen. Wenn man sich aber einfach krank und schwach fühlt, gibt es Grenzen.


Nach einer weiteren Woche war ich wieder daheim. Ob ich es nochmal machen würde? Nein! Ich weiß jetzt, dass Höhe für mich nichts ist. Doch die Erfahrung, die Menschen die ich kennenlernen durfte und die Zeit in diesen wunderbaren Bergen will ich keinesfalls missen. Das waren all die Strapazen wert.