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TOUR | 16.03.2018 | Dennis Forte (photos by Dan Patitucci)

Was verbindest du mit Bulgarien? Die Antwort darauf fällt wohl nicht nur mir schwer. Sofia, die Hauptstadt, das ist aus dem Erdkundeunterricht noch hängen geblieben. Skitourengehen? Keine Ahnung! So geht es wohl den meisten Europäern. Doch einige wenige Klicks im Internet verraten, dass es in Bulgarien schöne Berge gibt mit einer intakten Hüttenstruktur ähnlich wie bei uns. Das als Info hat gereicht, um kurzerhand einen Flug in den Balkanstaat zu buchen. Es hat sich gelohnt. So viel ist an dieser Stelle schon zu sagen.

Knapp anderthalb Stunden hat der Flug von München nach Sofia gedauert. Nun stehe ich da, voll bepackt und warte auf meine Begleitung für die nächsten sechs Tage. Dan Patitucci, Amerikaner mit italienischen Wurzeln, ist ein sehr bekannter Bergsportphotograph. Er hat den Trip im Vorfeld geplant. Immer mit dabei, seine Frau Janine. Die vierte im Bunde ist Kim Strom aus den USA. Sie ist eine begnadete Trailrunnerin und viel mit den Patituccis auf Reisen. Als alle eingetroffen sind gesellt sich auch Georgy Georgiev unser Guide und Inhaber von FreeMountains zu uns. Es geht los!

 

Etwa zwei Stunden benötigen wir nach Bansko. Bansko? Schwach erinnere ich mich, dass der alpine Rennzirkus hier immer wieder gastiert. Ich liege richtig. Schon auf dem Weg dorthin ist der Highway gesäumt mit Billboards vom diesjährigen Weltcuprennen. Bansko selbst ist als Ausgangspunkt für Skitouren im Pirin-Gebirge geeignet, für mehr aber auch nicht. Der Retorten-Skiort im US-Stil beherbergt Horden von Engländern, die hier Party-Skiurlaub verbringen. Schon von fern hört man die Beat von üblem 90er-Jahre Eurotechno und das um vier Uhr nachmittags.

 

Ein erster Streifzug durch das „alte“ Bansko stimmt uns aber sehr zuversichtlich für die nächsten Tage. Herzlich werden wir empfangen an jedem der vielen kleinen Essensständen in den schmalen Gassen. Eines ist jetzt schon klar, die Bulgarische Küche kennt kaum Gemüse, geschweige denn Salt. Schwein, Hühnchen, Lamm als Bratwurst, Gehaktes oder Steak – das erwartet uns auch in den Berghütten, versichert uns Georgy. Für mich kein Problem, Kim, strenge Veganerin, checkt bereits ihren Vorrat an Couscous und Haferflocken.

Spielwiese für Free Tourer

Nach einem deftigen Frühstück geht es via Taxi etwa 30 Minuten nach Dobrinishte. Von dort aus soll unsere Tour starten. Georgy erzählt uns, dass sie einen bisher schneearmen Winter hatten. Ab 1.600 Metern Höhe sollten wir aber eine geschlossene Schneedecke vorfinden. So geht es zunächst mit dem Sessellift nach oben. Die umliegende Bergwelt ähnelt stark den deutschen Alpen. Formschöne Gipfel und bis zur Baumgrenze mit Latschenkiefern und knorrigen Tannen bewachsen. Steile Flanken, weite Hänge und enge Couloires, die perfekte Spielwiese für Free Tourer.

 

Georgy kennt das Pirin Gebirge wie seine Westentaschen. Mit stetem Schritte führt er uns durch die beeindruckende Landschaft zu unserer ersten Unterkunft, in der wir zwei Nächte verbringen werden. Die Tevno Ezero Hut liegt auf einem Hochplateau am Ufer eines Sees, der jetzt natürlich gefroren ist. Schnell wird es Abend und in der Dämmerung glühen unmittelbar vor uns zwei steile Rinnen, die wir uns für den nächsten Tag ausgespäht haben.

Schnee aus heiterem Himmel

Untertags ist es bereits so warm, dass der Schnee schon um zehn Uhr morgens auffirnt. Kalte Temperaturen in der Nacht lassen die Schneedecke aber wieder frieren. Das Ergebnis, Bruchharsch. Damit haben wir am zweiten Tag zu kämpfen und machen die beiden Rinnen nicht wirklich zum Vergnügen. Deshalb beenden wir den Tag schon ziemlich früh.

 

Tag drei ist für die Traverse zur Demyanitza Hut vorgesehen. Wir bewegen uns in langen flachen Tälern, in denen der Wind nur so zu stehen scheint. Erbarmungslos brennt die Frühlingssonne auf uns herunter und macht aus dem verbliebenen Schnee Matsch. Ähnlich fühlt sich mein Kopf an. An unserer Unterkunft angekommen füllen wir unsere Speicher mit Cola und nutzen die restlichen Stunden des Tages die Idylle der Demyanitza Hut auf Foto einzufangen. Beim Abendessen fängt es aus heiterem Himmel an zu schneien, darauf stoßen wir an.

Am nächsten Morgen erstrahlt das Pirin Gebirge in neuem Look. Winterlich, bei Temperaturen unter 0° Celsius und mit 30 Zentimeter Neuschnee. Wir fellen auf, ziehen die ersten Spuren bergwärts in den frischen Schnee und genießen den Tag mit einigen schönen Tiefschneeabfahrten. Die Nacht verbringen wir in der nahegelegenen Vihren Hut. Ihr Namensgeber ist der der gleichnamige mit 2.914 Metern höchste Berg des Pirin Gebirges, der am nächsten und letzten Tag auf dem Programm steht.

 

Mit Harscheisen an den Skiern ziehen wir unsere Spur über die eisige Südwest-Flanke des Vihren bis wir am großen Gipfelkreuz stehen. Wie eine Klinge gespickt mit kleineren und größeren Felsbrocken liegt nun der Gipfelhang vor uns. Bevor wir jedoch zur letzten Abfahrt unseres Trips durch das Pirin Gebirge ansetzen, deutet Georgy in die verschiedenen Himmelsrichtungen. Er zeigt uns die Grenzen von Serbien Mazedonien und Griechenland gekennzeichnet durch verschiedene Gebirgsrücken. „Eines dieser Länder könne mein nächstes Ziel für eine Skidurchquerung werden.“ Mit diesem Gedanken im Kopf reihe ich Schwung für Schwung aneinander, bis wir gemeinsam zurück sind in Bansko.

Skitouren Bulgarien

Skitouring in Bulgarien

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