„Heute könnte mein Tag werden“ – Oriol Cardona Coll über Olympia-Gold

„Heute könnte mein Tag werden“ – Oriol Cardona Coll über Olympia-Gold

Bei den Olympischen Winterspielen 2026 in Mailand-Cortina schrieb Oriol Cardona Coll ein Stück Sportgeschichte. Der Spanier gewann das erste olympische Gold im Skimountaineering-Sprint und holte zusätzlich Bronze in der Mixed Relay. Im Interview spricht der DYNAFIT-Athlet über den Moment des Sieges, den Druck vor dem Rennen und darüber, was der Erfolg für ihn und seinen Sport bedeutet.

Der Moment des Sieges

Wann hattest du im Rennen zum ersten Mal das Gefühl: Heute könnte mein Tag sein?

Am Renntag habe ich mich körperlich sehr gut gefühlt. In den Tagen davor war ich vielleicht etwas angespannter. Alles war neu und größer als sonst. Aber am Wettkampftag selbst war ich ruhig. Ich wusste: Wenn der Körper funktioniert, folgt auch der Kopf. Und genau so hat es sich angefühlt. Als könnte es mein Tag werden.

Wenn du die letzten Sekunden des Finales einfrieren könntest: Welches Bild oder Gefühl bleibt am stärksten?

Das war ein einzigartiger Moment. Eine Kurve vor der Ziellinie habe ich kurz zurückgeschaut und gesehen, dass ich den Sieg sicher hatte. Dieses Gefühl lässt sich kaum beschreiben. Ich war unglaublich glücklich und gleichzeitig sehr erleichtert. Es war das Gefühl, dass sich all die Arbeit und die vielen Jahre des Trainings ausgezahlt haben.

Wann hast du wirklich realisiert: Ich bin Olympiasieger?

Direkt im Ziel war ich einfach überwältigt von der Situation. Es hat eine Weile gedauert, bis ich wirklich verstanden habe, was passiert ist. Erst ein paar Stunden später habe ich begonnen zu begreifen, dass ich der erste Olympiasieger im Skimountaineering geworden bin.

Der Schlüssel zum Sieg im Rennen

Die Bedingungen im Rennen waren schwierig. Viele Athleten hatten Probleme mit der Treppe oder mit stollenden Fellen. Was war aus deiner Sicht entscheidend für den Sieg?

Ich hatte zum Glück weder mit den Fellen noch mit der Treppe Probleme. Neben der körperlichen Form war es vor allem entscheidend, keine Fehler zu machen. Es ging weniger darum, die schnellsten Wechsel überhaupt zu machen, sondern darum, sie sauber und sicher zu absolvieren.

Gerade unter olympischem Druck ist das wahrscheinlich nicht einfach.

Genau. In einem olympischen Finale steht man unter einer gewaltigen Anspannung – sowohl durch die Erwartungen von außen als auch durch den eigenen Anspruch an sich selbst. Der Körper ist voller Adrenalin, man geht an die eigenen Grenzen und  darüber hinaus. In so einem Moment ruhig zu bleiben und jede Bewegung präzise auszuführen, ist eine echte Herausforderung.

Gab es während des Wettkampfs einen Moment, in dem du dachtest: Heute könnte etwas schiefgehen?

Nein, eigentlich nicht. Ich hatte während des Renntages keine Zweifel an meiner Form oder meiner Leistung. Der einzige Moment, der mir kurz Sorgen gemacht hat, waren die schwierigen Schneebedingungen und der viele Schnee auf der Strecke. Aber die Organisation hat unglaublich schnell reagiert und den Kurs in Rekordzeit wieder freigeräumt.

Der erste Olympiasieger der Skimo-Geschichte

Du bist nicht nur Olympiasieger, sondern auch der erste in der Geschichte des Skimountaineering. Gleichzeitig hast du Spanien nach über 50 Jahren wieder ein olympisches Gold gebracht. Was bedeutet dir das?

Ich starte in erster Linie für mich selbst. Mein Ziel ist immer, das Beste aus mir herauszuholen und jedes Rennen zu gewinnen. Aber natürlich hat mich die Möglichkeit, der erste Olympiasieger in der Geschichte unserer Sportart zu werden, zusätzlich motiviert. Mir war klar, dass ich vielleicht nie wieder eine solche Chance bekommen würde. Deshalb war es mir besonders wichtig, an diesem Tag im Sprint mein bestes Rennen zu zeigen. 

Mit Olympia hat dein Sport plötzlich viel mehr Aufmerksamkeit bekommen. Wie gehst du damit um?

Seit den Spielen hat sich wirklich viel verändert. Sowohl im Sport als auch in meinem persönlichen Alltag. Die Tage danach waren sehr intensiv und voll mit Terminen. Ich freue mich sehr über das Interesse an unserem Sport und an meinem Ergebnis, auch wenn es manchmal ziemlich anstrengend sein kann. 

Was hat sich für dich persönlich am meisten verändert?

Ehrlich gesagt: Ich habe in dieser Zeit extrem wenig geschlafen. (lacht)

What’s next?

Du bist Weltmeister, jetzt Olympiasieger und hast praktisch jeden großen Titel gewonnen. Verändert das deine Motivation?

Ich glaube nicht. Im Gegenteil: Ich hatte sportlich wahrscheinlich noch nie ein so hohes Niveau wie jetzt. Die Vorbereitung auf die Olympischen Spiele hat mich als Athlet enorm weitergebracht. Deshalb habe ich große Lust, mich noch weiter zu verbessern.

Wie sehen deine nächsten Pläne aus?

Nach dieser intensiven Zeit möchte ich zunächst ein wenig durchatmen. Im Sommer würde ich gerne wieder einige Trail Running-Rennen machen. Aber grundsätzlich bin ich sehr motiviert, weiterzumachen.

Noch ist nicht entschieden, ob Skimountaineering auch bei den nächsten Spielen wieder im olympischen Programm steht. Wie denkst du darüber?

Nach dieser Erfahrung und nachdem ich gesehen habe, wie viel Aufmerksamkeit unser Sport bekommen hat, würde ich sehr gerne noch einmal Olympische Spiele erleben. Wenn bestätigt wird, dass der Sprint wieder im Programm ist, könnte das definitiv nochmal ein großes Ziel für mich werden.

“The last missing piece” – Oriols Weg zu Olympia

Du willst noch mehr über Oriol erfahren? In unserer Homestory-Doku begleiten wir den spanischen Ausnahmesportler auf seinem Weg nach Olympia – persönlich, nah und ungefiltert.