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ULTRA RUNNING | 12.05.2020 | Veronika Wasza

Trail Running-Schuhe: Mit diesen Schuhen läuft es im Gelände 

Perfekt sitzende Schuhe sind das A und O für jeden Trail-Läufer. Schließlich brauchen die Füße gerade auf Trails in hügeligem Terrain guten Halt, damit man ordentlich Gas geben kann und sich nicht verletzt. Aber was unterscheidet eigentlich einen normalen Laufschuh von einem Trail Running-Schuh? Braucht es für lange Distanzen ein anderes Modell als für kurze Strecken? Worauf sollte man beim Kauf achten? Wir klären auf und fragen nach bei zwei Athleten, die es wissen müssen: Ultraläufer Hannes Namberger und Mountopia-Gewinnerin Veronika Heidrich.

Trail Running-Schuhe vs. Straßenlaufschuhe

An einen Trail-Schuh werden andere Anforderungen gestellt als an einen klassischen Laufschuh, der bevorzugt auf der Straße bzw. auf Asphalt zum Einsatz kommt. Beim reinen Straßenschuh stehen Dämpfung und Abrollverhalten klar im Vordergrund, damit Füße, Knie und Gelenke vor dem harten Aufprall optimal geschützt sind. 

 

Dämpfung: Wie viel Dämpfung sinnvoll ist, hängt von einer Vielzahl an Faktoren ab – dem Gewicht des Läufers, dem generellen Trainingsstatus und der zu absolvierenden Streckenlänge. Es gibt Modelle mit sehr hoher und solche mit eher minimalistischer Dämpfung. Gerade bei Langstreckenläufen bzw. Ultras mit einer Distanz jenseits der 50 km Marke bevorzugen viele Läufer gedämpfte Schuhe, um die Belastung für die Füße zu reduzieren.

 

Abrollverhalten / Sprengung: Die meisten Straßenlaufschuhe besitzen eine erhöhte Ferse. Die Höhendifferenz zwischen Vorfuß und Ferse wird als Sprengung bzw. Drop bezeichnet. Diese wird gezielt eingesetzt, um den Fuß und die verkürzten Wadenmuskeln vor Überbelastungen und Entzündungen zu schützen. Eine zu hohe Sprengung kann den Laufstil auch negativ beeinflussen und zu einer unnatürlichen Haltung führen. Die Wahl der richtigen Sprengung ist sehr stark von persönlichen Faktoren abhängig. So gibt es für Läufer, die zu einer Überpronation neigen – der Fuß beim Abrollen also nach Innen einknickt – spezielle Straßenlaufschuhe mit Pronationsstütze. Diese fördert ein gleichmäßiges, gerades und schonendes Abrollen.

Bei Straßenlaufschuhen stehen Dämpfung und Abrollverhalten im Vordergrund, bei Trail-Schuhen hingegen Halt und Grip.

Bei Trail Running-Schuhen stehen in erster Linie optimaler Halt und maximaler Grip im Fokus. Der Fuß muss sicher eingefasst sein, damit sich der Läufer nicht verletzt. Die Besonderheiten von Laufschuhen fürs Gelände lassen sich vor allem anhand der folgenden Faktoren ausmachen:

 

Profil: Um auf unebenem oder nassem wie matschigem Untergrund sicher laufen zu können, ist eine spezielle „Bereifung“ gefragt. Diese bietet eine zuverlässige Bodenhaftung. Gleichzeitig sollte die Außensohle gute Traktionseigenschaften besitzen, also durch ein geeignetes Profil die Dynamik und Kraft des Laufschritts in eine vorwärts gerichtete Beschleunigung umwandeln. 

 

Dämpfung: Die Dämpfung ist bei Trail Running-Schuhen weniger ausgeprägt, um einen direkteren Kontakt zum Boden und dessen spezifischer Beschaffenheit zu bieten. Pronationsstützen kommen beim Geländelauf nicht zum Einsatz, da der Laufstil abseits der Straße generell viel aktiver ausfällt. Weil der Untergrund in der Regel uneben ist, macht ein entsprechendes Ausgleichen des Einknickens an dieser Stelle keinen Sinn. 

 

Sprengung: Die Sprengung fällt normalerweise ebenfalls geringer aus, da ein zu hoher Absatz die Trittsicherheit negativ beeinflusst und das Risiko des Umknickens deutlich erhöht. Gerade bei fordernden Bergläufen in anspruchsvollem Terrain setzen die meisten Trail-Runner auf einen Schuh mit niedriger Sprengung, um möglichst nahe am Boden zu stehen. 

 

Material/ Features: Trail Running-Schuhe unterscheiden sich von  normalen Laufschuhen durch ihr Material. Da sie einiges mehr aushalten müssen, fällt das Obermaterial deutlich robuster und stabiler aus. Bei einigen Modellen kommt zudem eine wasserdichte Membrane zum Einsatz, um die Füße bei Schnee und Nässe dauerhaft trocken zu halten. Außerdem besitzen die meisten Trail-Schuhe eine in die Zunge integrierte Lasche oder Tasche. Hier können die Schuhbänder verstaut werden und man beugt so möglichen Stolperfallen im Gelände vor. Eine hochgezogene Zehenkappe gehört bei vielen Modellen ebenfalls zur Grundausstattung, um den Vorderfuß beim Zusammenstoß mit Wurzeln, Steinen und Co. aktiv zu schützen.

 

Komfort: Gerade beim Ultra Running rückt das Thema Komfort stärker in den Fokus. Als Einsteiger sollte man in dieser Disziplin daher vor allem auf einen bequemen Schuh achten

Trail-Running Schuhe: Überblick der Modelle

Vom Bergsprinter zum Ultra Running-Schuh: Die DYNAFIT Modelle Sky Pro, Feline SL und Ultra 100.

Mittlerweile gibt es eine sehr große Bandbreite an Trail Running-Schuhen für die unterschiedlichsten Einsatzbereiche. Das Wichtigste ist: Der Schuh muss gut passen! Dann sollte man sich natürlich fragen, wo das Modell zum Einsatz kommt. Neben der Streckenlänge ist vor allem der Untergrund das wichtigste Kriterium für die Wahl des Laufschuhs. Dann geht es an ans Aus- und Anprobieren. Die verschiedenen Modelle lassen sich dabei vor allem anhand der Beschaffenheit der Sohle, der Sprengung, der Passform, dem Gewicht und der Dämpfungseigenschaften voneinander differenzieren.

Die Sprengung liegt bei den meisten Trail Running-Schuhen zwischen 4 und 10 Millimetern. Bei kurzen Distanzen und in anspruchsvollem Terrain setzen die meisten Läufer auf eine niedrige Sprengung. Dadurch stehen sie möglichst nah am Boden und erhalten eine gute Sensitivität für den Untergrund. Bei Langstreckenläufen und Ultra Runs bevorzugen die meisten Trail-Läufer hingegen eine etwas höhere Sprengung im Bereich von +/- 8 mm. Gerade weniger austrainierten Läufern bietet eine erhöhte Ferse zahlreiche Vorteile, während Profiathleten selbst bei Ultrawettkämpfen oftmals mit einem weniger ausgeprägten Drop an den Start gehen, um angriffslustiger unterwegs zu sein.

Die DYNAFIT Sohlen im Vergleich: Sky Pro, Feline SL und Ultra 100.

Bergsprinter vs. Komfort-Allrounder: DYNAFIT Feline Up Pro (4 mm Sprengung) und Trailbreaker (10 mm)

Auch in punkto Dämpfung unterscheiden sich die verschiedenen Trail Running-Modelle mitunter sehr stark. Die Dämpfung ist dabei nicht mit dem Drop gleichzusetzen. Auch Schuhe mit einer niedrigen Sprengung sind meistens etwas gedämpft. Trail-Schuhe, die speziell für Langstreckenläufe und Ultras konzipiert sind, verfügen in der Regel über eine stärkere Dämpfung als solche für Bergsprints. Wobei auch hier gilt: Je trainierter ein Läufer, desto weniger Dämpfung wird zumeist bevorzugt.

 

Beim Gewicht gibt es große Unterschiede. Stabile Trail Running-Schuhe für ruppiges Terrain bringen oftmals ein paar Gramm mehr auf die Waage. Bei Ultraläufen merkt man auf Dauer aber jedes Gramm zu viel an den Füßen. Daher kommt dem Faktor Gewicht vor allem auf der Langstrecke eine hohe Bedeutung zu.

Die Passform von Trail-Schuhen

Eine perfekte Passform ist essentiell. Nur wenn ein Laufschuh für Geländeläufe richtig gut sitzt und nicht reibt oder drückt, dann macht er auch Spaß. Der benötigte Komfort und auch die Größe des Schuhs ist dabei wieder einmal von der zurückzulegenden Distanz abhängig. Bei kurzen, knackigen Bergläufen ist ein direkter Schuh mit enger Passform vorteilhaft. Beim Ultra Running steht hingegen der Komfort im Vordergrund. Zudem sollte man nicht vergessen, dass die Füße bei Distanzen von 30 km und mehr gerne auch ein wenig anschwellen. Daher sollte man seine Ultraschuhe auf keinen Fall zu klein kaufen.

Tipps von Vroni Heidrich und Hannes Namberger 

Aber wie handhaben das eigentlich die Athleten? Mit welchen Trail Running-Schuhen sind sie im Gelände und am Berg unterwegs? Wir haben nachgefragt bei Hannes Namberger und Veronika Heidrich.

 

Veronika Heidrich ist passionierte Hobbyläuferin, die bereits einiges an Wettkampferfahrung gesammelt hat. In den Bergen war Vroni eigentlich schon immer gern. Vor einigen Jahren hat sie sich dann beim Ultra Trail Lamer Winkel mit dem Trail Running-Fieber angesteckt und ist seitdem Feuer und Flamme. Am liebsten läuft die 32-Jährige Trail-Wettkämpfe um die 100 km mit mehreren Tausend Höhenmeter. In diesem Jahr wird sie sich einer ganz besonderen Herausforderung stellen: dem DYNAFIT Transalpine Run, für den sie beim Mountopia-Wettbewerb einen Startplatz gewonnen hat.

 

Aus dem gleichen Holz ist auch DYNAFIT-Athlet Hannes Namberger geschnitzt. Seine Spezialität: Distanzen zwischen 70 und 120 Km mit ordentlich Höhenmetern. Der Ruhpoldinger war früher als Ski-Rennläufer aktiv, bevor er beim Karwendelmarsch 2015 seine Leidenschaft für das Trail Running entdeckte. Einer der größten läuferischen Erfolge von Hannes war der Sieg auf der 75 km Distanz des Großglockner Ultra-Trails und der Sieg beim Transalpine Run 2018.

An ultra really demands everything a body has. The soul must therefore be well prepared to brave these stresses. Hannes Namberger

Hannes, what makes a good ultrarunning shoe to you? Is there a “perfect” drop for example?

Hannes running in the Grossglockner region

Table of contents

Die Besonderheiten von Trail Running-Schuhen

Die Sohle von Trail Running-Schuhen

Auffälligstes Merkmal von Trail Running-Schuhen ist die mehr oder weniger stark profilierte Sohle. Je nach Untergrund sind andere Eigenschaften gefragt. Auf hartem, steinigem Untergrund, wie man ihn bei Bergläufen oder Sky Races vorfindet, benötigt man ein cleveres Stollendesign, das exzellente Bodenhaftung garantiert und dem Läufer direktes Feedback gibt. Bei matschigem, weichem Untergrund oder Schnee sollte die Sohle aus verschiedenen Bereichen bestehen, um sowohl seitliche Stabilität als auch Grip zu gewährleisten – ähnlich einem Winterreifen. Für Ultraläufe mit wechselndem Untergrund empfiehlt sich wiederum eine Sohle mit besonders großer Strapazierfähigkeit, die Stabilität und Grip gleichermaßen bietet. Generell eignet sich bei nassem Untergrund eine eher weichere Gummimischung.

Sprengung und Drop von Trail Running-Schuhen

Dämpfung und Gewicht von Laufschuhen fürs Gelände

Zusammenfassung: Es gibt nicht DEN einen Trail Running-Schuh!

Die Auswahl an Laufschuhen fürs Gelände ist groß und jedes Modell hat seine Stärken und Besonderheiten. Man sollte sich viel Zeit nehmen und sein Schuhwerk für das Abenteuer Trail Running mit Bedacht wählen, gerade wenn man sehr lange unterwegs ist wie bei einem Ultra. 

Wie viele verschiedene Paar Lauf- und Trail Running-Schuhe besitzt ihr eigentlich?

 

Vroni: Oje, das ist eine wirklich gute Frage. Einige! Ich denke grob überschlagen werden es schon so um die 20 - 25 sein. Zu meiner Verteidigung: Ich hatte das Glück, ein paar Materialtests machen zu dürfen. Dadurch sind dann einfach ein paar zusammengekommen. Eigentlich sind davon aber immer nur die drei bis vier Lieblingsmodelle im Einsatz. 

 

Hannes: Etwa 15 Paar. Das sind aber ganz verschiedene Modelle.

 

Welchen Trail Running- Schuh würdest du Einsteigern empfehlen?

 

Hannes: Ein Schuh mit höherer Sprengung, guter Dämpfung und viel Grip ist speziell für Trail Running-Einsteiger sehr wichtig. Hier kann ich meinen Favoriten, den Alpine Pro, aber auch den ganz neuen Ultra 100 sehr empfehlen.

 

Setzt du eher auf Allround-Schuhe oder hast du für jede Spielart des Trail Runnings einen eigenen Schuh? 

 

Hannes: Mittlerweile verwende ich für jede Art von Rennen verschiedene Schuhe. Für Skyraces oder kürzere Bergläufe verwende ich den Feline Up Pro oder wenn noch Schnee liegt den Sky Pro mit Gamasche. Bei langen Ultras trage ich meist den Alpine Pro oder den neuen Ultra 100. Falls ich mir mal gar nicht sicher bin, dennoch viel Grip benötige und trotzdem nicht auf Komfort verzichten möchte, laufe ich den Feline SL. Dieser Schuh ist ein perfekter Allrounder und sowohl für den Trail Running-Einsteiger als auch für den Profi sehr gut geeignet. Mit diesem Modell macht man eigentlich nichts falsch. Er bietet eine sehr gute Passform, 8 mm Sprengung und hat einen sehr guten Grip dank der neuartigen Pomoca Sohle.

 

Was ist dein Lieblingsschuh und warum?

 

Vroni: Wenn es wirklich nur einer sein darf würde ich mich wahrscheinlich für einen soliden Allrounder wie den Ultra 100 entscheiden. Der sitzt bequem und eignet sich dank seiner Dämpfungseigenschaften wunderbar für lange Läufe. Das Profil bietet ausreichend Grip für etwas kniffligere und auch mal nasse Stellen, ist aber nicht zu arg ausgeprägt, sodass man auch auf längeren Ziehwegen bequem lauen kann. Der Schuh bietet einen guten und stabilen Halt und schützt ausreichend vor unfreiwilligem Feindkontakt mit Steinen etc. Also quasi eine kleine „eierlegende Wollmilchsau“ auf die man sich immer verlassen kann.

Veronika Heidrich (links) und ihre Freundin Manuela Diezinger, mit der sie 2020 den DYNAFIT Transalpine Run bestreiten wird

Welche Schuhmodelle läufst du im Training und welche im Wettkampf?

 

Vroni: Ich mache da eigentlich keinen großen Unterschied zwischen Training und Wettbewerb. Es kommt immer darauf an, welcher Schuh am besten zu der Strecke passt, auf die ich gerade Lust habe, oder die eben im Wettkampf ansteht. Und dann noch welcher Schuh mich gerade am meisten „anlacht“. Bei Wettkämpfen nehme ich immer zwei Paar mit, die zur Strecke passen und entscheide dann kurz vorher spontan, welches es wird. Momentan variiert es aber meistens zwischen dem DYNAFIT Ultra 100 und dem Alpine Pro.

 

Worauf sollte man beim Kauf eines Trail Running-Schuhs besonders achten?

 

Hannes: Wichtig ist die Größe. Ich laufe meine Schuhe eine Nummer größer als normal, da meine Füße nach etwa 20 km anschwellen und ich sonst in den Downhills vorne anstoße. Dazu sollte ein Schuh perfekt passen und keinerlei Reibung verursachen. Dies findet man meist erst nach einem Lauf von 20 bis 30 km heraus. 

 

Vroni: Ich denke man sollte sich – sofern man nicht gleich drei verschiedene Modelle kaufen möchte – überlegen, was man vorrangig läuft. Also für welches Terrain und Distanzen der Schuh hauptsächlich gebraucht wird. So hat man dann schon einmal die Richtung definiert. Wenn man noch nicht genau weiß, welche Modelle zum eigenen Fuß passen, kann man an Test-Events wie dem DYNAFIT Trail2Gether teilnehmen, bei denen man diverse Schuhmodelle in freier Wildbahn testen kann. Ansonsten würde ich immer empfehlen den Schuh gegen Abend zu kaufen, wenn der Fuß schon etwas größer ist und im Zweifel auch lieber eine halbe Nummer größer damit auch das Downhill später Freude macht.